Alpiner Meilenstein an der Schwarzen Wand: Dörte Pietron eröffnet und punktet “Dreamworks Inc.”
Bergführerin, Alpinistin und Red-Chili-Schuhentwicklerin Dörte Pietron hat "Dreamworks Inc." im Rotpunktstil durchstiegen; eine 8c-Mehrseillängenroute an der berüchtigt steilen Schwarzen Wand im Höllental unterhalb der Zugspitze. Die Linie zieht durch den rechten und steilsten Teil der Nordwand unterhalb der Zugspitze. Nach dem gemeinsamen Einrichten mit ihrem Partner Daniel Gebel im Jahr 2024 gelingt Dörte am 15./16. August 2026 die erste freie Begehung. Eine Woche später verbindet sie zwei der Schlüssellängen und schlägt final 8c für die neue Linie vor. Mit 250 Metern und acht bis neun Seillängen ist "Dreamworks Inc." vermutlich die schwerste Mehrseillängenroute, die bisher von einer Frau eingerichtet und erstbegangen wurde.
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Warum habt ihr die Route eingerichtet?
Wir sind seit Jahren im Höllental unterwegs und haben bereits einige Routen am Riffelkopf eingerichtet. Die Schwarze Wand ist wahrscheinlich die steilste alpine Wand Deutschlands. Sie hat schon einige Routen, nur durch den steilsten Teil gab es bisher noch keine Tour. Nachdem wir „Katzen, die auf Löcher starren“ gemacht hatten, kannten wir die Wand ein bisschen besser und haben uns gefragt, ob es gehen würde. In den anderen Routen hatten wir festgestellt, dass es immer Löcher hat, wenn es steil wird. Deshalb waren wir optimistisch, dass man auch durch den allersteilsten Abschnitt kommen könnte. Wir haben dann vor zwei Jahren angefangen, die „Dreamworks Inc.“ von unten einzubohren.
Gab es einen Moment, in dem ihr dachtet: „Das könnte scheitern“?
Es gab zwei solche Momente in den schwersten Seillängen. In der ersten Schlüssellänge ist eine Boulderstelle, die uns unglaublich schwer vorkam. Da haben wir erst keine Lösung gefunden. Beim Anschauen der Griffe haben wir zwar schon gedacht, dass es kletterbar sein sollte – aber es war nicht klar, ob es für uns kletterbar ist. Da haben wir sehr lange rumgebastelt, bis es geklappt hat. Bei der zweiten Cruxlänge wollten wir vom Stand eine überhängende Verschneidung rauf, aber die war uns zu brüchig und ich habe die Linie deshalb vom Stand aus rechts ums Eck über einen überhängenden Pfeiler gebohrt, der ziemlich wildes Gehooke und Geschnappe fordert. Da habe ich auch sehr lange gebraucht, bis ich eine Lösung hatte. Es war erst mal nicht klar, ob es rechts um Eck gehen würde, weil man das Gelände vom Stand aus nicht einsehen konnte.
Wie lange dauert das Einrichten, wie geht ihr vor und was war an der Dreamworks besonders?
Für Dreamworks Inc.“ haben wir drei Wochenenden gebraucht. Wir hatten eine grobe Idee, wo wir lang wollten, nachdem wir uns die Wand von unten angeschaut haben. Da wussten wir ungefähr, wo es schwer werden würde. Dann waren wir aber schon überrascht, weil man in der fünften Seillänge auf einmal einen riesigen Überhang an riesigen Löchern klettert. Es ist fast absurd, dass es so etwas an so einer Wand überhaupt gibt. Beim Einrichten einer Route wechseln wir uns grundsätzlich ab. Das Anstrengende ist, dass man die ganze Zeit in unbekanntes Gelände klettert und dann immer wieder runterhüpft. Das saugt auch mental. Wenn Dani platt ist, mache ich weiter und andersrum. Meistens schafft einer so eine halbe Seillänge und dann wechseln wir. In leichterem Gelände bohren wir auch mal eine Seillänge am Stück.
Warum hast du nach der Begehung der Einzellängen noch die beiden Cruxlängen verbunden?
Unsere Idee ist, die Stände immer an Stellen einzurichten, wo ein No-Hand-Rest ist. Also da, wo man auch gut Stehen oder Ausruhen kann. Alle anderen Stände in der Tour sind genau an so einer Stelle. Nur diese Seillänge kam uns anfangs so schwer vor, dass wir uns entschieden haben, sie an einer Schuppe zu teilen, wo man zwar gut Schütteln kann, aber eigentlich keinen No-Hand-Rest hat. Das hat uns aber nicht wirklich gefallen. Nachdem ich die Tour dann mit den beiden kurzen Seillängen durchgestiegen war, habe ich versucht, sie so zu klettern, dass alle Stände an No-Hand-Rests sind.
Wie beeinflusst dich ein Projekt wie „Dreamworks Inc.“ oder „Mora Mora“ als Schuhentwicklerin?
Was für mich als Schuhentwicklerin cool ist, ist, dass ich nach zwei Jahren Üben und Lernen jetzt am liebsten nur noch mit meinen eigenen Schuhen klettere. Das Spannende ist, dass es mir für beide Seiten etwas bringt: Dadurch, dass ich mich so intensiv damit beschäftige, die Feinheiten von Schuhen und Tritten aufeinander abzustimmen und die kleinsten Unterschiede zu spüren, kann ich jetzt noch genauer sagen, welcher Schuh für was am besten passt. Gleichzeitig helfen mir solche Projekte, dass ich immer sofort testen kann, was ich während der Entwicklung verändere und ein direktes Feedback erhalte. Das hilft mir beim Verstehen von Konstruktionen und Materialien. Natürlich hole ich mir dann noch Feedback von unterschiedlichen Athlet*innen, um ein rundes Ergebnis zu erreichen.
Warum ist dir die Bewertung so schwergefallen?
Der Zug, der für mich am schwersten war, ist ganz klar morphologisch – ein Längenzug. Wenn du auf dem tiefen Tritt stehen kannst und den Griff erreichst, ist dieser Zug gut machbar. Ich komme da aber nicht hin. Ich bin da in Durchstiegsversuchen wahrscheinlich 20- bis 25-mal rausgefallen und Dani konnte das auf Anhieb klettern. Allerdings ist die Passage danach wahrscheinlich andersrum morphologisch, weil man als kleine Person mit den hohen Tritten besser klarkommt und sich größere Personen schwerertun. Deshalb würde mich sehr interessieren, was andere über die Bewertung denken, die größer sind. Was dann noch dazu kommt: Es ist sehr schwierig, gute Bedingungen in der Wand zu finden. Denn wenn wirklich alle Griffe trocken sind, ist es sehr warm und der Grip nicht so gut – das war bei der ersten Begehung der Fall. Beim zweiten Mal waren die leichteren Abschnitte der Cruxlänge richtig nass und ich musste die Schlüsselstellen mit nassen Händen klettern. Die schwierigen Verhältnisse machen es zusätzlich schwer, eine direkte Bewertung abzugeben.
Was wünscht du dir, dass die Wiederholer*innen über „Dreamworks Inc.“ sagen?
Ich hoffe, dass sie so viel Spaß drin hatten wie wir. Weil es einfach richtig coole Kletterei ist und eine richtig coole Location. Ich hoffe, dass sie die Route einfach richtig super finden.
Über Dörte Pietron
- DAV-Pionierin: Erste weibliche Teilnehmerin des DAV-Expedkaders und im Jahr 2011 Gründerin des Frauen-Expedkaders. Seither hat sie fünf Generationen junger Alpinistinnen ausgebildet. Auszeichnung mit dem DAV-Sportpreis 2025
- Alpinistin: Erste Frauenbegehung (siebte Begehung) der Westwand des Cerro Torre, vier Mal auf dem Fitz Roy. Erschließung hunderter neuen Routen im alpinen Gelände und im Sportklettern.
- Red Chili Schuhentwicklung: Seit 2024 Kletterschuhentwicklerin bei RED CHILI – verantwortlich für die Entwicklung einer komplett neuen Range an High-End-Performance-Schuhen, die in enger Zusammenarbeit mit zwei neuen Athlet*innen entstehen. Ihr erstes Modell kommt im Frühjahr 2027 auf den Markt.